Aktuelles

 

Jochen Laufer (3.9.1956-16.3.2016)

Wenn ein Mann noch keine sechzig ist und mitten aus der Arbeit wegstirbt, wird der Gedanke müßig, dass er vielleicht dereinst interessante Erinnerungen hätte schreiben können. Jochen Laufer wäre aufgrund seines klaren Blickes und wegen seines Alters „dazwischen“ prädestiniert gewesen, seine Erfahrungen der Wendejahre einmal zu Papier zu bringen. Aber vielleicht hätte ihm auch die innere Ruhe dazu gefehlt. Seine Beobachtungen wären jedoch gewiss eine Bereicherung im Chor der vielen verschiedenen Erinnerungen gewesen. Die, die vorher angeeckt sind, eckten auch im neuen Staat an, so sagte er einmal; anscheinend sei die Charakterfrage bestimmender als die politische Überzeugung. Er war ein politischer Mensch, aber dominierend war doch sein wissenschaftlicher Impuls. So hatte er, nachdem er sich 1990 und in den Folgejahren in einem Bürgerkomitee zur Aufdeckung der Strukturen und der Arbeitsweise des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR und dann bei Bündnis 90/Die Grünen engagiert hatte, doch sehr schnell wieder hauptamtlich zur Wissenschaft zurückgefunden. Hilfreich war dabei, dass er noch vergleichsweise jung war, seine Dissertation zu einem unverdächtigen Thema („Die deutsche Südafrikapolitik 1890–1898 im Spannungsfeld von deutsch-britischen Beziehungen, Wirtschaftsinteressen und Expansionsforderungen in der deutschen Öffentlichkeit“, 1987) und bei einem auch nach der Wende angesehenen Historiker (Konrad Canis) geschrieben hatte. Sein Wechsel zur unmittelbaren Nachkriegsgeschichte hatte schon vor der Wende am Zentralinstitut für Geschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR unter Rolf Badstübner stattgefunden, und auch die ersten Recherchen in Moskauer Archiven. So blieb er dabei. Es gab und gibt nicht sehr viele Wissenschaftler, die DDR-(Vor)Geschichte mit Archivarbeit in Russland verbinden. Das hatte und hat mit der Abwicklung historischer Forschungsinstitutionen der DDR und mit der Tradition der Osteuropageschichte der Bundesrepublik zu tun.

Das Thema „Reparationen“ führte Laufer in das Außenpolitische Archiv der Russischen Föderation. Dort traf er auf Georgij Pavlovič Kynin, einen Weltkriegssoldaten und Nachkriegsdiplomaten, der nach Stationen in Österreich und Deutschland als Gesandter in der Historisch-Diplomatischen Verwaltung des Moskauer Außenministeriums arbeitete. Dieses Zusammentreffen war ein Glücksfall für die Wissenschaft, denn der erfahrene Diplomat, der in den sechziger Jahren eine Aufstellung zu den Dokumenten zur Deutschlandfrage des Archivs angefertigt hatte, traf auf einen überaus arbeitswilligen Historiker, der diese Arbeit zu schätzen und zu nutzen wusste und daran anknüpfte. Dieses produktive Gespann brachte die in russischer und deutscher Sprache vorliegende vierbändige Edition „Die UdSSR und die deutsche Frage 1941-1948/1949“ zustande. Dabei stieß dieses wichtige Grundlagenwerk keineswegs auf ungeteilte Zustimmung. Es wurde eine Reihe von Einwänden erhoben: Die wichtigsten Dokumente seien die – der Forschung unzugänglichen –  chiffrierten Telegramme oder lägen im – ebenso weitestgehend unzugänglichen  – Präsidentenarchiv, oder ganz generell: man dürfe ohne Zugang zu den Findbüchern – der Forschern im MID-Archiv ebenfalls nicht gewährt wird – gar keine Edition machen. Zu sagen, dass Laufer das nicht angefochten habe, wäre gelogen. Aber er ließ sich nicht beirren. Er verbrauchte im Laufe der Jahre eine Reihe von Mitarbeitern, er vergraulte eine Reihe von Betreuern, er war berüchtigt für sein Augenrollen, aber er verfolgte seinen Kurs unbeirrt. Und schließlich hat er in dem ZZF-Direktor Martin Sabrow jemanden gefunden, der den Wert seiner Arbeit erkannte und die Hand über ihn hielt; von der Unterstützung durch seine Frau Sylvia Klötzer ganz zu schweigen.

Vielleicht hielt sich Jochen Laufer auch, der soviel Wechsel und Unwägbarkeiten, wie die Jahre ihm boten, gar nicht liebte, an den Quellen fest. Auf jeden Fall erkannte er, dass das historische Thema der Nachkriegsweichenstellung immer noch von den neuen Weichenstellungen der Wendejahre so dominiert wurde, dass man Quellen brauchte, um zu verstehen. Seine Sozialisation in der DDR, die Berührung mit der Sowjetunion und die Wahrnehmung der deutschen Schuld am und im Krieg waren Grundierungen, die auf seine Forschungen einwirkten. Dies unterschied ihn von im Westen sozialisierten Historikern und dies führte sicherlich auch zu Nichtverstehen (im besseren Fall) oder Nichtbeachtung (das war bitterer). Die Monographie unter dem Titel „Pax Sovietica“, die Auslöser der Archivrecherchen 1989 waren, erschien 2009. Da war, wie er in einer Publikation zur SMAD-Geschichtsschreibung anmerkte, die Karawane schon weitergezogen. Laufer hat sich auch davon nicht hemmen lassen, schon gar nicht von dem Fortschreiten der Multiplen Sklerose, und hat weiter daran gearbeitet, zurück zu den Quellen zu gehen. Nach dem Tod Kynins im Jahr 2012 sollte eine neue Editionsreihe entstehen: „Die UdSSR und die beiden deutschen Staaten 1949 bis 1955. Quellen aus deutschen und russischen Archiven“. Die Arbeit wurde schwieriger, das hat wieder mit der Politik zu tun, aber auch mit Personenkonstellationen. Man musste erkennen: Kynin war nicht einfach ersetzbar.

Seine langjährige Anbindung an die deutsch-russische Historikerkommission war essentiell für ihn, aber auch für die Kommission, zu deren zentralen Projekten die Edition zählte. Und wer sonst von deutscher Seite hat sich so stark für die Arbeit in dem Archiv des russischen Außenministeriums eingesetzt wie er? Er hat – dank seiner Direktheit – die Probleme ungeschminkt benannt; der langjährige Co-Vorsitzende Horst Möller verstand es, seine Forderungen in eine diplomatische Sprache zu übersetzen. Auch unter dem neuen Co-Vorsitzenden Andreas Wirsching war ihm die Unterstützung der Kommission gewiss. Die Frage, wer seine Arbeit nun weiterführen wird, drängt sich auf. Es fällt schwer, sich jemanden vorzustellen, der sie mit dem Fleiß, der Ausdauer und der Unbeirrbarkeit weitertreibt, die Jochen Laufer ausgezeichnet haben.

Carola Tischler

Workshop, 26. Februar 2016

Am 26. Februar 2016 hat die Kommission einen Workshop durchgeführt, der auf Einladung der Leiterin des Politischen Archivs des Auswärtigen Amtes, Freifrau von Boeselager, in den Räumen des Ministeriums stattfand. An dem von der deutschen Seite initiierten Treffen  nahm auch eine Reihe russischer Kommissionsmitglieder teil, darunter der russische Co-Vorsitzende Aleksandr Čubarjan‘ und der Leiter des Historisch-dokumentarischen Departements des Russischen Außenministeriums, Aleksandr Kuznecov. Eine Sektion des Workshops war der Erörterung des wissenschaftlichen Ertrags des ersten Bandes der Edition „Deutschland und die Sowjetunion 1933-1941“ gewidmet. Dazu waren auch externe Sachkenner eingeladen. Im Weiteren wurden die Arbeitsperspektiven und organisatorische Fragen der Kommission besprochen.

Aleksandr Boroznjak im Alter von 82 Jahren verstorben

Aleksandr Ivanovič Boroznjak (25. Januar 1933 – 21. Dezember 2015)

Am 21. Dezember 2015 ist Aleksandr Boroznjak, Mitglied der Gemeinsamen Kommission für die Erforschung der jüngeren Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen und der Redaktion ihrer „Mitteilungen“, nach schwerer Krankheit verstorben. Er wurde am 25. Januar 1933 in Kiew geboren. Fünf Tage später kamen  Adolf Hitler und die NSDAP in Deutschland an die Macht,  achteinhalb Jahre danach überfielen deutsche Truppen die Sowjetunion. Boroznjaks Vater fiel schon im August 1941 bei den Kämpfen um Kiew. Die Familie wurde in den Osten Sibiriens, nach Blagoveščensk an der Grenze zu China evakuiert. Dort wuchs Aleksandr Boroznjak auf. Als Absolvent des Blagoveščensker Pädagogischen Instituts (1954) arbeitete er zunächst als Geschichtslehrer in dem Dorf Innokent’eva am Amur. Nach dieser ersten Berufserfahrung und dem Armeedienst gelang ihm 1959 der Sprung als Doktorand nach Moskau; in den Rahmen der Aspirantur fiel auch ein ausgedehnter Deutschlandaufenthalt. 1961/62 betrieb Boroznjak seine Forschungen an der Humboldt-Universität unter Anleitung des kommunistischen Politikers, Historikers und Buchenwald-Überlebenden Walter Bartel. Damals wurden wohl auch bereits die Grundlagen für sein lebenslanges freundschaftliches Verhältnis zu Deutschland gelegt, das angesichts seiner eigenen Familiengeschichte verwundern mag.
Boroznjak, der 1963 mit einer Arbeit über die Politik der KPD in den westlichen Besatzungszonen promovierte, wurde schon früh zu einem genauen Beobachter des Umgangs mit der Geschichte von Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg in der Bundesrepublik. Dabei hatte er nicht nur die Fachdebatten der Historiker im Blick, sondern stets den gesellschaftlichen Diskurs in seiner ganzen Breite. Unermüdlich war er auf der Suche nach entsprechenden Materialien; wer etwa die Fußnoten seines 2006 auf Deutsch erschienenen Buches „Erinnerung für morgen“ durchsieht, erhält einen Eindruck von der Fülle und Vielfalt historiographischer, literarischer und publizistischer Quellen, auf die er sich bei seiner Forschung stützte. Sein immenser Lesehunger ging einher mit der steten Bereitschaft zur Begegnung und Diskussion, die für ihn ein Lebenselement der Auseinandersetzung mit der Geschichte war. Dass in der über drei Jahrzehnte lang existierenden gemeinsamen Historikerkommission der UdSSR und der DDR dafür wenig Raum war, und insbesondere nie ein wirklicher Dialog über Probleme der NS-Vergangenheit zustande kam, stellt er in „Erinnerung für morgen“ mit unverhohlener Enttäuschung fest.
Die Rahmenbedingungen änderten sich mit dem Untergang der kommunistischen Diktaturen. Wie förderlich diese historische Wende Boroznjaks Schaffen war, zeigt ein Blick auf das Werkverzeichnis in der zu seinem 80. Geburtstag 2013 erschienenen Festschrift: Von 27 Seiten entfallen 19 auf die Zeit seit der Perestrojka, als auch die meisten größeren Arbeiten entstanden; seine letzten Werke sind hier noch gar nicht erfasst. „Duša objazana trudit‘sja... – Die Seele hat die Pflicht, sich abzumühen…“: Es hätte kein treffenderer Titel für die Festschrift gefunden werden können, als diese Zeile aus einem Gedicht von Nikolaj Zabolockij.
Boroznjak war eine treibende Kraft in dem seit Ende der 1980er Jahre möglich gewordenen und so bedeutsamen offenen russisch-deutschen Dialog über die schwierige gemeinsame Geschichte: als Mitglied des Zentrums für deutsche Studien am Institut für Allgemeine Geschichte der Russischen Akademie der Wissenschaften, als Mitorganisator der Kopelev-Vorlesungen an der Pädagogischen Universität Lipeck, an der er seit 1963 lehrte (mit einer Unterbrechung von 1990-1993, als er in Ekaterinburg tätig war, wo er sich 1991 habilitierte), als Mitglied der 1997 ins Leben gerufenen Gemeinsamen Kommission für die Erforschung der jüngeren Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen und nicht zuletzt als Redaktionsmitglied von deren zweisprachig erscheinenden „Mitteilungen/Сообщения“.
Im Zentrum von Boroznjaks vielfältigen Forschungen stand die bundesdeutsche „Vergangenheitsbewältigung“, an der ihn der „Historikerstreit“ ebenso interessierte wie Schülerarbeiten über die Schicksale von sowjetischen Kriegsgefangenen und Ostarbeitern. Das „andere Deutschland“, wie es etwa von Erich Maria Remarque oder der Weißen Rose verkörpert wurde, und die Bemühungen Nachkriegsdeutschlands, ein anderes zu werden, bildeten den Fokus seines Interesses. Zugleich plädierte er dafür, die deutsche Erfahrung der „Vergangenheitsbewältigung“ für Russland nutzbar zu machen, ohne dabei schematischen Übertragungen das Wort zu reden. „Ist die deutsche Erfahrung für Russland lehrreich? Ja, weil der Übergang unserer Länder von totalitären Regimen zu demokratischen Ordnungen unvollendete, in der historischen Zeit und im historischen Raum zerrissene Akte eines einheitlichen planetarischen Dramas sind“, schrieb er in seinem letzten Buch „Žestokaja pamjat‘ – Grausame Erinnerung“ (2014). Als Titelbild hat er eine Aufnahme des Mahnmals in der KZ-Gedenkstätte Dachau ausgewählt, gewidmet hat er das Werk dem Andenken seines Vaters.
Die deutsch-russische Historikerkommission hat eines ihrer aktivsten Mitglieder verloren, die Redaktion der „Mitteilungen“ darüber hinaus einen guten Freund. 
 jz

Jakov Drabkin verstorben. Der Nestor der russischen Deutschlandforschung wurde 97 Jahre alt

Am 10. Oktober 2015 verstarb in Moskau der russische Deutschlandhistoriker Jakov Drabkin. Drabkin war Gründungsmitglied der Gemeinsamen Kommission für die Erforschung der jüngeren Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen, die im Jahre 1997 gegründet wurde. Aber die Beziehung des 1918 in Kiew geborenen Historikers zu Deutschland reichte viel weiter zurück. Drabkin war Freiwilliger im Kampf gegen die Invasion des nationalsozialistischen Deutschland, gemeinsam mit Freund Lev Kopelev in der Frontpropaganda tätig und nach 1945 Kulturoffizier in der Sowjetischen Militäradministration. Als Historiker bekannt wurde er nicht zuletzt durch seine auch auf Deutsch erschienene Geschichte der deutschen Revolution von 1918/19. Er bekleidete wichtige Ämter und war in  vielfältiger Weise im deutsch-russischen Dialog über die dramatische gemeinsame Geschichte engagiert. Unter anderem griff er das „Wuppertaler Projekt“ seines ausgebürgerten und in Deutschland heimisch gewordenen Freundes Lev Kopelev auf und sorgte dafür, dass der Band über die wechselseitigen Perzeptionen in den Revolutionsjahren zwischen 1917 und 1924 in russischer Sprache erschienen. Im Rahmen der deutsch-russischen Historikerkommission wirkte Drabkin zuletzt vor allem als einer der Herausgeber der umfangreichen, 2014 erschienenen Edition „Deutschland, Russland, Komintern“ zu deren Einleitung er den 80-seitigen Beitrag „Die Idee der Weltrevolution und ihre Transformation in der Kominterngeschichte“ beisteuerte.

18. Plenarsitzung und Kolloquium der Kommission

Am 9. Juli fand in der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau die 18. Plenarsitzung der Deutsch-Russischen Geschichtskommission statt. Anschliessend wurde vom Direktor des Dritten Europäischen Departments des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der Russischen Föderation, Dmitrij Ljubinskij, und vom Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in der Russischen Föderation, Rüdiger von Fritsch, das wissenschaftliche Kolloquium mit dem Thema "Imperien, Nationen, Regionen: Imperiale Konzeptionen in Russland und Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts" eröffnet (aktualisiertes Programm). Ergebnisse diesjähriger Tagung werden in den "Mitteilungen" publiziert.

Konstituierende Sitzung des neuberufenen russischen Teils der deutsch-russischen Historikerkommission

Am 21. Mai 2015 hat im Institut für Allgemeine Geschichte der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau die konstituierende Sitzung des neu berufenen russischen Teils der deutsch-russischen Historikerkommission stattgefunden. Neu berufen wurden:


Dr. Sergej Mironenko, Direktor des Staatsarchivs der Russischen Föderation
Dr. Nikolaj Pavlov, MGIMO-Universität des Außenministeriums der Russischen Föderation
Dr. Jurij Petrov, Direktor des Instituts für Russische Geschichte der RAdW
Dr. Aleksej Sindeev, Europainstitut der RAdW
Dr. Natalja Timofeeva, Institut für hohe Technologien, Voronež
Prof. Dr. Alexander Vatlin, Historische Fakultät an der Moskauer Lomonossov-Universität

Im Anschluss an die Sitzung fand eine Präsentation des russischsprachigen dritten, dem 20. Jahrhundert gewidmeten Bandes des deutsch-russischen Geschichtsbuches "Deutschland - Russland: Stationen gemeinsamer Geschichte - Orte der Erinnerung" statt, dessen deutsche Ausgabe vor zwei Monaten in Berlin präsentiert wurde. Das Buch ist das direkte praktische Resultat der langjährigen wissenschaftlichen Kooperation zwischen deutschen und russischen Historikern. An seiner Präsentation nahmen die Herausgeber des Werkes (Helmut Altrichter, Horst Möller, Alexander Tschubarjan und Wiktor Ischtschenko), der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in der Russischen Föderation Rüdiger von Fritsch, Vertreter des DHI in Moskau, des russischen Außenministeriums, des Ministeriums für Wissenschaft und Bildung der Russischen Föderation sowie russische Historiker und Mitglieder des „Verbands der Lehrer für Geschichte und Geisteswissenschaften“ teil.  
In den nächsten Monaten wird die digitale Version des Buches, ergänzt mit dem Audio- und Videomaterial, vorbereitet.

Bestellung der russischsprachigen Ausgabe.


Russisches Medienecho:
www.germania.diplo.de/Vertretung/russland/ru/02-mosk/6-nachrichten/geschichtsbuch.html
tvkultura.ru/article/show/article_id/134163/
gaugn.ru/ru-ru/news/kniga-rossiya-germaniya-vehi-sovmestnoy-istorii
www.poisknews.ru/theme/science/14943/
www.igh.ru/about/news/1045/

Neuberufung der Kommission - IfZ-Direktor Prof. Dr. Andreas Wirsching zum Deutschen-Co-Vorsitzenden gewählt

Am 10. März 2015 hat in Berlin die konstituierende Sitzung des neuberufenen deutschen Teils der deutsch-russischen Historikerkommission stattgefunden. Aufgrund des Ausscheidens einer ganzen Reihe von Mitgliedern, deren Mandate nicht mehr verlängerbar waren, hat sich die Zusammensetzung der Kommission deutlich verändert. Neu berufen wurden:

•   Prof. Dr. Jörg Baberowski, Humboldt-Universität Berlin
•   Dr. Jörg Morré, Direktor des Deutsch-Russischen Museums Berlin-Karlshorst
•   Prof. Dr. Tanja Penter, Uni Heidelberg
•   Prof. Dr. Beate Fieseler, Uni Düsseldorf
•   Prof. em. Dr. Peter Brandt, Fernuni Hagen
•   Prof. Dr. Sönke Neitzel, London School of Economics
Zum deutschen Co- Vorsitzenden wurde  Prof. Dr. Andreas Wirsching, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin, gewählt. Er tritt mit diesem Amt die Nachfolge von Prof. Dr. Horst Möller an, der das Gremium seit seiner Gründung im Jahr 1997 leitete. Qua Amt wurde Prof. Dr. Elke Freifrau von Boeselager, Leiterin des Politischen Archivs des Auswärtigen Amtes, neu berufen. Die Neuberufung des russischen Teils der Komission findet am 21. Mai in Moskau statt. Zur aktuellen Zusammensetzung der Kommission

 

Im Anschluss an die Neukonstituierung der Kommission fand im Simon-Bolivar-Saal der Staatsbibliothek zu Berlin eine Präsentation des dritten, dem 20. Jahrhundert gewidmeten Bandes des  deutsch-russischen Geschichtsbuches "Deutschland - Russland: Stationen gemeinsamer Geschichte - Orte der Erinnerung" statt, an der auch der Botschafter der Russischen Föderation, Wladimir Grinin, und der Amtschef der Bundesbeauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Ministerialdirektor Günter Winands mitwirkten. Das Buch, das in Deutschland und Russland herausgegeben wird, ist das Resultat der wissenschaftlichen Kooperation zwischen deutschen und russischen Historikern. Es beleuchtet die zentralen Themen von den Revolutionen in Russland und Deutschland 1917/1918 bis zum Fall der Berliner Mauer und wirft so in knappen Darstellungen, ergänzt durch Dokumente und Bildquellen, Schlaglichter auf die Entwicklung deutsch-russischer Beziehungen. Da in der deutschen und russischen Geschichtsschreibung zu einzelnen Ereignissen auch unterschiedliche, bisher unvereinbare Deutungen vorliegen, zeigt die Darstellung solcher Themen wie Hitler-Stalin-Pakt oder über die Berlin-Krise 1948/1949 in getrennten Beiträgen deutscher und russischer Autoren. Weit überwiegend sind die Aufsätze jedoch gemeinsam von je einem deutschen und einem russischen Historiker verfasst.Die Herausgeber des Werkes Helmut Altrichter, Horst Möller, Alexander Tschubarjan und Wiktor Ischtschenko betonten im Podiumsgespräch die hohe Bedeutung der im Werk so abgebildeten Meinungspluralität und den kostruktiven Charakter der Zusammenarbeit. Denn trotz unterschiedlicher Perspektiven ist es den Wissenschaftlern aus Russland und Deutschland gelungen, erstmalig gemeinsam ein ungewöhnlich aktuelles Gemeinschaftswerk zu schreiben, das nicht nur die Wechselwirkungen der deutsch-russischen Geschichte dokumentiert, sondern auch unmissverständlich demonstriert, dass Russland Teil Europas ist. Ein solch fruchtbarer Dialog wurde von fast allen Rednern angesichts derzeitiger politischer Spannungen im deutsch-russischen Verhältnis als besonders notwendig und beispielhaft gewürdigt.

Sowohl in Deutschland als auch in Russland hat die Präsentationsveranstaltung ein beträchtliches Medienecho gefunden:

SWR2 (Kulturgespräch)

Deutschlandfunk

N-TV

Russisches Fernsehen, Kanal 5, St. Petersburg

Rossijskaja Gazeta

Ogonjok

 

Buchpräsentation am 10. März in Berlin

"Deutschland - Russland: Stationen gemeinsamer Geschichte - Orte der Erinnerung"

Die beiden Vorsitzenden der deutsch-russischen Historikerkommission Aleksandr Čubar'jan und Horst Möller stellen das Buch zusammen mit Helmut Altrichter (Kommissionsmitglied) und Viktor Iščenko (Russisches Sekretariat der Gemeinsamen Kommission in der Russischen Akademie der Wissenschaften) am Dienstag, 10. März 2015 um 19.30 Uhr im Simon-Bolivar-Saal in der Staatsbibliothek zu Berlin, Potsdamer Straße 33, 10785 Berlin vor. Grußworte sprechen Günter Winands (Ministerialdirektor bei der Bundesbeauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien) und Michail Schwydkoj (Sonderbeauftragter des Präsidenten der Russischen Föderation für internationale kulturelle Zusammenarbeit), Barbara Schneider-Kempf (Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin) und Andreas Wirsching (Direktor des Instituts für Zeitgeschichte).

Dreibändige Edition „Deutschland, Russland, Komintern“

Hermann Weber, Bernhard H. Bayerlein, Jakov Drabkin, Aleksandr Galkin (Hrsg.)
Deutschland, Russland, Komintern:

Band I. Überblicke, Analysen, Diskussionen: Neue Perspektiven auf die Geschichte der KPD und die deutsch-russischen Beziehungen (1918–1943). Open access.

Band II. Deutschland, Russland, Komintern – Dokumente (1918–1943). Nach der Archivrevolution: Neuerschlossene Quellen zur Geschichte der KPD und den deutsch-russischen Beziehungen. Open access.

Archive des Kommunismus - Pfade des XX. Jahrhunderts;
Berlin, Boston, De Gruyter, 2014
ISBN: 978-3-11-030134-2 (print); 978-3-11-030098-7 (online)

 

Das dreibändige Werk, die von Hermann Weber, Bernhard H. Bayerlein und Jakov Drabkin herausgegeben wird, umfasst insgesamt 2317 Seiten und markiert einen positiven Abschluss des Projekts "Die Komintern und ihre Bedeutung für die deutsch-sowjetrussischen Beziehungen". Es dokumentiert und analysiert erstmals auf Grundlage überwiegend neuer Dokumente den Komplex der Beziehungen zwischen Deutschland und der Sowjetunion bzw. der KPD und der Komintern für den gesamten Zeitraum von 1918 bis 1943. Die im De Gruyter-Verlag erscheinenden Bände enthalten 524, zu einem großen Teil aus dem Russischen, Englischen und Französischen übersetzten Dokumente mit über 5000 Anmerkungen, Zusammenfassungen von ca. 1000 neuerschlossenen Beschlussprotokollen des sowjetischen Politbüros, ein vierzigseitiges Namens- und Ortsregister sowie ein siebzigseitiges Gesamtliteraturverzeichnis.

Die Bände erscheinen in der Reihe „Archive des Kommunismus–Pfade des XX. Jahrhunderts“, die sich als bisher einzige europäische Buchreihe zum Ziel gesetzt hat, die Erträge der seit der Endphase des 20. Jahrhunderts andauernde „Archivrevolution" kritisch zu dokumentieren und zu beleuchten.
Es ist das erste Mal, dass ein solches Werk als open-access-e-Book frei im Internet zugänglich ist, um die neuerschlossenen Dokumente einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen und neue Diskussionen zu fördern.

 




Internationales Kolloquium „Der Erste Weltkrieg. Ursachen und Folgen“ Berlin 9./10. Oktober 2014

Während der 17. Sitzung der Deutsch-Russischen-Geschichtskommission am 9./10. Oktober in Berlin fand der zweite Teil des Internationalen Kolloquiums "Der Erste Weltkrieg: Deutschland und Russland im europäischen Kontext" statt. Im Fokus diesjähriger Tagung standen Ursachen und Folgen des Krieges. Ergebnisse beider Kolloqien werden in den "Mitteilungen" publiziert.

Vorstellung des 1. Bandes des deutsch-russischen Editionsprojektes: Deutschland und die Sowjetunion 1933-1941

Am 6. Februar 2014 präsentierte das Institut für Zeitgeschichte München den neu erschienenen ersten Band der Quellenedition "Deutschland und die Sowjetunion 1933-1941" mit einer Podiumsdiskussion. Unter Moderation von Jürgen Zarusky diskutierten die beiden Herausgeber des Bandes - Sergej Slutsch und Carola Tischler und die Projektbetreuerin Bianka Pietrow-Ennker.

 

 

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"Die Tragödie Europas 1939-1941" - Band 5 der "Mitteilungen" erschienen

Horst Möller, Aleksandr O. Čubar'jan (Hrsg.)
Band 5: Die Tragödie Europas. Von der Krise des Jahres 1939 bis zum Angriff des nationalsozialistischen Deutschland auf die Sowjetunion

ISBN 978-3-486-73608-3

 

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Briefe aus Stalingrad

Pünktlich zum 70. Jahrestag des Endes der Schlacht von Stalingrad ist als Ergebnis des von der Kommission geförderten Projekts von Prof. Dr. Nina Vaškau der Band "Chot' raz napišu tebe pravdu" Pis'ma soldat vermachta iz stalingradskogo okruženija ["Wenigstens einmal schreibe ich Dir die Wahrheit". Briefe von Wehrmachtssoldaten aus dem Stalingrader Kessel] erschienen, der zahlreiche in Stalingrad verfasste Briefe deutscher Soldaten in russischer Übersetzung bringt, welche aus deutschen und russischen Sammlungen ausgewählt wurden und in einer ausführlichen Einleitung als Erinnerungszeugnisse analysiert werden. Für den russischen Leser wird so die Kriegserfahrung deutscher Soldaten in einer historisch höchst bedeutsamen Schlacht zugänglich gemacht.

 

Nina Vaškau: "Chot' raz napišu tebe pravdu". Pis'ma soldat vermachta iz stalingradskogo okruženija. Moskau 2013.